Ein Tag im Leben meiner PV-Anlage

2026-08-14 Energie

Manchmal lohnt es sich, einfach mal einen Tag lang auf die Grafiken der eigenen PV-Anlage zu schauen. Heute war so ein Tag - viel Sonne, eine Batterie, die brav ihre Arbeit macht, und eine Wallbox, die zeigt, warum sich die Investition in ein ordentliches Energiemanagement lohnt.

Der Vormittag: Die Batterie füllt sich

Ab etwa 6:30 Uhr nimmt die PV-Erzeugung Fahrt auf, und die Batterie lädt fleißig mit. Ein paar kleine Einbrüche in der Ladekurve gegen 7:00 und 7:30 Uhr verraten, dass kurz eine Wolke die Sonne verdeckt hat - aber nichts Dramatisches.

Gegen 8:30 Uhr ist die Batterie dann voll. Von da an bis zum Start des Autoladens um 12:45 Uhr wandert der komplette PV-Überschuss als Einspeisung ins Netz, da die Batterie keine weitere Kapazität mehr aufnehmen kann und noch kein anderer Verbraucher den Strom abnimmt.

Der Heizstab macht mit

Ab ca. 8:00 Uhr taktet regelmäßig der Heizstab (Elwa 2) für die Warmwasserbereitung. Immer dann, wenn genug PV-Überschuss da ist, wird kurz nachgeheizt - eine unaufgeregte, aber effektive Art, überschüssigen Solarstrom sinnvoll zu nutzen, statt ihn zu verschenken.

Der Nachmittag: evcc übernimmt die Wallbox

Der spannendste Teil des Tages beginnt gegen 12:45 Uhr: Ich habe das Auto angesteckt, und die Wallbox (eine WARP3) steigt sofort mit ein. evcc, das die Wallbox im reinen PV-Modus steuert, erkennt den Überschuss und lädt ziemlich exakt entlang der PV-Erzeugungskurve - im Schnitt mit rund 3,85 kW, mit Ausschlägen bis über 5 kW.

Besonders schön zu sehen: Der Netzbezug folgt der PV-Kurve fast parallel nach unten, wenn die Sonne am späten Nachmittag schwächer wird. evcc reduziert die Ladeleistung entsprechend, statt einfach unkontrolliert Netzstrom zuzumischen.

Der Nachmittag: Battery Boost und ein Gleichgewicht aus mehreren Ereignissen

Gegen 16:45 Uhr habe ich den Battery Boost aktiviert und die Hausbatterie bis auf 70 % SoC freigegeben, um dem Auto beim Laden zu helfen - die 70 % reichen problemlos aus, um das Haus über die Nacht zu versorgen, und für den nächsten Tag war ohnehin wieder Sonne angesagt. Im Diagramm ist das gut zu erkennen: Die Entladeleistung springt auf rund -6 kW, während die PV-Erzeugung am Nachmittag bereits spürbar nachlässt.

Eine knappe Stunde später, um 17:45 Uhr, passiert praktisch gleichzeitig Zweierlei: Das Auto erreicht 90 % SoC und die Wallbox schaltet ab, und parallel dazu wird beim Kochen Strom gebraucht. Genau in diesem Moment übernimmt der Nordwest-String des Dachs wieder die Batterieladung - die Nachmittagssonne auf dieser Ausrichtung reicht aus, um den Kochbedarf zu decken und die Batterie sogar wieder leicht zu füllen. Am Ende pendelt sich alles bei rund 82 % SoC ein, knapp über der Boost-Schwelle.

Was mich daran fasziniert: Es gab keinen einzelnen sauberen Umschaltpunkt, sondern ein Wechselspiel aus mehreren gleichzeitigen Ereignissen - Boost-Start, Auto-Vollladung, Kochen, Nordwest-Nachmittagssonne -, auf das die ganze Anlage in Echtzeit reagiert hat. Genau solche Momente zeigen, warum sich die Investition in vernünftiges Energiemanagement lohnt: Es geht längst nicht mehr nur darum, Sonne in Strom umzuwandeln, sondern darum, mehrere Verbraucher und Erzeuger gleichzeitig sinnvoll zu orchestrieren.

Die Rechnung, die den Unterschied macht

Diese minimale Menge Netzstrom für die Wallbox hat mich heute etwa 23 Cent gekostet. Am selben Tag musste ich - zum ersten Mal seit Langem wieder - Diesel tanken. Der Literpreis: 2,24 €, aktuell sogar leicht über dem bundesweiten Durchschnitt von rund 2,15 €.

Der Kontrast könnte kaum größer sein: 23 Cent Netzstrom gegen über 2 € pro Liter fossilen Kraftstoff. Es sind genau solche Tage, an denen sich zeigt, warum sich die Kombination aus eigener PV-Anlage und E-Auto so schnell rechnet - unabhängig von der Debatte über die “richtige” Antriebsart.

Und das Auto macht auch noch Spaß

Mein neuer Mini Cooper SE mit 50-kWh-Batterie reicht dabei locker für eine ganze Woche Pendeln zur Arbeit - inklusive Ladung fast komplett aus eigener Erzeugung. Und nebenbei bleibt der Mini das, wofür die Marke seit jeher steht: ein kleines, wendiges Gokart für die Landstraße, nur jetzt mit dem giftigen Antritt eines E-Motors und ganz ohne das mulmige Gefühl, bei jeder Fahrt an der Tankstelle vorbeizuschauen.


Alle Werte stammen aus meinem Grafana-Dashboard, gespeist über evcc und die Zähler- bzw. Wechselrichterdaten der Anlage.